Forschung
Metaanalyse: Risiken eines refraktiven Linsentausches (RLA) höher als nach Katarakt-OP
Die Entwicklung moderner Premiumlinsen hat dazu beigetragen, dass die vorgezogene Kataraktoperation immer häufiger bereits ab Mitte 40 durchgeführt wird. Ziel des Eingriffs ist es, Brillenunabhängigkeit zu ermöglichen, wenn sich die Alterssichtigkeit (Presbyopie) bemerkbar macht. Doch ist dieser sogenannte refraktive Linsenaustausch genauso sicher wie die Katarakt-OP? Dieser Frage ging eine Metaanalyse nach.1
Was unterscheidet die Katarakt-OP vom refraktiven Linsenaustausch?
Bei der Kataraktoperation wird die meist altersbedingt getrübte Linse des Auges durch eine Intraokularlinse (IOL) ersetzt. Erste Symptome eines grauen Stars treten ab ca. 60 Jahren auf, mit Anfang 70 leiden ca. 50 Prozent der Menschen unter einer Linsentrübung und lassen sich operieren. Die Kataraktoperation ist die einzige Therapie und wird allein in Deutschland rund 900 000-mal im Jahr durchgeführt. Sie gilt als so sicher, dass sie auch in früheren Stadien empfohlen werden kann.
Dabei kommen zunehmend Multifokallinsen oder sog. EDOF-Linsen mit modernen Optiken zum Einsatz, die nach der Kataraktoperation Brillenunabhängigkeit ermöglichen.
Der refraktive Linsenaustausch ist eine mögliche Behandlung der Presbyopie, das ist die altersbedingt nachlassende Fähigkeit des Auges auf die Nähe „scharfzustellen". Erste Symptome können ab ca. 45 Jahren auftreten. Auch dabei werden – als Alternative zur Lese- oder Gleitsichtbrille – moderne Multifokallinsen oder EDOF-Linsen implantiert, die scharfes Sehen in verschiedenen Entfernungen ermöglichen können. Eine Linsentrübung liegt in den meisten Fällen nicht vor.
Nach dem Eingriff ist eine spätere Kataraktoperation nicht mehr notwendig. Dennoch sollten die mit der Operation verbundenen Risiken bedacht werden, da bei noch klarer Linse keine medizinsiche Notwendigkeit für einen Linsenaustausch gegeben ist.
Kernergebnis der Metaanalyse
Eine Netzhautablösung tritt nach einem refraktiven Linsenaustausch etwa doppelt so häufig auf
In einer kürzlich erschienenen Metaanalyse1 wurde untersucht, wie hoch das Risiko einer Netzhautablösung nach einem Linsenaustausch im Vergleich zu dem nach einer Kataraktoperation ist. Eingeschlossen wurden 40 Studien mit insgesamt 8 592 380 Augen, davon erhielten 20 264 einen refraktiven Linsenaustausch und 8 572 116 Augen eine Kataraktoperation.
Eine Netzhautablösung kann als seltene Komplikation nach einer Kataraktoperation (1/1000) und als nicht häufige Komplikation nach einem refraktiven Linsenaustausch (1/500) eingestuft werden.
Das Kernergebnis der Metaanalyse zeigt: Nach einem refraktiven Linsenaustausch (RLA) kam eine Netzhautablösung doppelt so häufig vor wie nach einer Kataraktoperation bei einer Nachbeobachtungszeit von mindestens 24 Monaten (Median 4 Jahre). Somit kann eine Netzhautablösung als seltene Komplikation nach einer Kataraktoperation (1/1000) und als nicht häufige Komplikation nach einem RLA (1/500) eingestuft werden.
Höchstes Risiko: hohe Myopie und Alter unter 50 Jahren
Zwei Risikofaktoren wurden festgestellt:
Hohe Myopie: Stark kurzsichtige Augen hatten ein deutlich höheres Risiko für eine Netzhautablösung als normalsichtige oder weitsichtige Augen. Das deckt sich mit der klinisichen Erfahrung. Denn der Augapfel eines kurzsichtigen Auges ist länger, wodurch die Strukturen des hinteren Augenpols stärker gedehnt sind und häufiger eine periphere Netzhautdegeneration vorliegt. Je höher die Myopie, desto höher das Risiko.
Alter unter 50 Jahren: Auch Patienten unter 50 Jahren hatten ein höheres Risiko für eine Netzhautablösung. Eine mögliche Erklärung dafür könne nach Ansicht der Autoren sein, dass sich bei älteren Patienten der Glaskörper des Auges bereits vor der Operation abgehoben habe. Dadurch sei der Zug auf die Netzhaut nach dem Eingriff reduziert.
Sicherheit hat oberste Priorität
Die Metaanalyse bestätigt unsere Strategie bei der Presbyopiekorrektur: Sicherheit geht vor. Bei klarer Augenlinse besteht kein Anlass, die Linse auszutauschen. Stattdessen empfehlen wir seit über 10 Jahren spezielle Laserverfahren, die die Alterssichtigkeit ebenfalls beheben können. Dazu gehört auch das von Dr. Detlev R.H. Breyer eingeführte PresbyEDoF-Augenlasern, das eine Art Überblendvisus erzeugt und auch das Sehen in der Ferne und in mittleren Distanzen (PC-Distanz) ermöglicht. Die Risiken einer Augenlaserkorrektur sind gegenüber denen eines Linsenaustausches deutlich geringer. Sollte 10 oder 15 Jahre später eine Katarakt auftreten, reicht die Implantation von monofokalen Linsen, um weiterhin von der Laserkorrektur profitieren zu können.